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Wasser marsch!

So, ich bin wieder da!
Die Tour de Murg war, wie erwartet, abwärts um einiges leichter zu meistern. Aber auch in diese Richtung wurde die Leidensfähigkeit auf die Probe gestellt. Doch zuerst zurück zum Anfang.
In einem Anfall von Übermut, falschem Einschätzungsvermögen und einem ordentlichem Schuss Wahnsinn, hatte ich beschlossen die Tour de Murg von Malsch nach Bad Rippoldsau zu fahren – natürlich mit genügend Gepäck, um eine Woche überleben zu können. Startzeit: Mittwoch morgens 7 Uhr!
Pünktlich dazu hat direkt vor meiner Haustür leichter Nieselregen eingesetzt. Aber wir sind ja nicht aus Zucker…
Bereits 2 Kilometer weiter hat das nagelneue Fahrradlicht mit 5(!) nagelneuen Batterien gemeldet, dass es neue Batterien brauchen würde (eine halbe Stunde später wars ganz aus). Zusätzlich wandelte sich am Ortsausgang Malsch der Niesel- zum Starkregen. So ging es dann in Richtung Gaggenau.
Nach einer knappen Stunde im immer noch andauernden Starkregen habe ich dann total durchnässt Gernsbach erreicht. Dort erst einmal die Innereien meines Rucksacks neu geordnet und das Handy ausgeleert… alles patschnass!
Meine Fahrt habe ich dann ziemlich schnell fortgesetzt, weil es so ohne Bewegung im windigen Regenwetter arsch ziemlich kalt war.
Nach 35km habe ich Forbach passiert und den Bahnhof keines Blickes gewürdigt. Wäre doch gelacht, wenn ich das nicht schaffen würde.
Bereits 5km weiter dann die ersten Zweifel. Kleiner mir damals unerklärlicher Einbruch und meine Geschwindigkeit hat die 7km/h Marke plötzlich nur noch von unten tangiert. Oha! Aufgeben? Ich? Nie!
Kurz darauf ging es dann auch schon wieder um einiges besser. Irgendwo habe ich dann zwischendrin die Tour de Murg auch mal kurz verloren und musste deshalb auf der Straße weiter fahren, aber alle paar Kilometer kommt ja ein Bahnhof und man findet somit immer wieder irgendwie zurück.
3 Stunden nach meiner Abfahrt in Malsch, dann das erste große Wegziel: Baiersbronn! Gute 60km hinter mir und noch immer einen Schnitt von über 20km/h. Wohlgemerkt mit dem Mountainbike, mit über 10kg Gepäck und im Regen. Ich war stolz auf mich.
Mit meiner Ankunft in Baiersbronn wurde dann auch der Regengott etwas milder und der Starkregen ging in Nieselregen über, um dann später irgendwann sogar ganz aufzuhören. Aber für so kleine Nebensächlichkeiten hatte ich da keinen Kopf mehr. Mein Ziel war klar definiert: Freudenstadt.
Von Baiersbronn eigentlich auch nur 7km weg. Also quasi ein Katzensprung.
Nur irgendwie habe ich dort die Radwege nicht wirklich gefunden, bin permanent an Abzweigungen wohl die falsche Richtung gefahren. Es ging nur Berge hoch und gleich wieder runter. Unten angekommen standen dann wieder Wegschilder, die plötzlich weiter weg von Freudenstadt waren, als die Schilder einen Kilometer zuvor. Irgendwo dort habe ich die letzen Tropfen Fett in meiner Kette verloren, mich dann völlig kaputt gefahren und die 7(!)km dann innerhalb einer knappen Stunde absolviert. Zu Fuß wäre ich wohl schneller gewesen…
Aber auch Freudenstadt habe ich irgendwann erreicht. Immer noch leicht durchnässt, aber halbwegs froh wieder in der Zivilisation zu sein.
Das Quietschen meiner Fahrradkette hat mich von dort Richtung Zwieselberg begleitet. Am Anfang war das auch ein ziemlich harmloser Weg, bis er irgendwann immer enger und steiler und der Untergrund dazu immer weicher wurde. Aber auch das konnte mich nicht aufhalten.
Der gelobte Wegweiser versprach: “Zwieselberg 1km” – beinahe am Ziel, denn ab dort geht es bis Rippi nur noch den Berg runter.
Was ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht wusste: der Wegweiser hat scheinbar auf den falschen Weg gezeigt. Dummer Jungenstreich oder Mordversuch? In meinem Fall sicher letzteres!
In meiner männlichen mir angeborenen Naivität (“die Trottel vom Schwarzwaldverein werden schon wissen, warum der Weg AUF den ZwieselBERG so steil runter geht…”) bin ich dem Schild gefolgt. Was ich dort vorgefunden habe, war das Schlimmste was mir passieren konnte. Ich war an der Kinzigtalsperre! Genau der Ort, an dem Dani und ich uns eine Woche vorher verfahren haben und erst mit dem Einbruch der Dunkelheit wieder aus dem Wald gefunden haben. Und vor allem wusste ich noch eines: Auf den Zwieselberg geht es von hier nur noch den Berg hoch!
So war es denn auch. Nächstes Schild: Zwieselberg 1,5km. Kein Problem, das schafft man jetzt auch noch.
Ja, das stimmt schon. Aber nur, wenn es sich um einen “Weg” handelt. Was der Schwarzwaldverein sich aber für mich überlegt hatte, das glich der Eiger Nordwand.
Kletterausrüstung hatte ich keine dabei, aber was solls. Irgendwann müssen wir alle sterben. Fahrrad geschultert und los. Rauf auf den Berg.
Kurz vorm Kollaps dann der ersehnte Lichtblick: ein Schotterweg! Ich bin da!
Nein, Kommando zurück… ich bin nicht da. Ich bin nur vorm nächsten Schild: Zwieselberg 1km. Wieder quer durch den Wald. Wieder über irgendwelche Felsen. Wieder das Fahrrad auf dem Rücken. Ich hab geflucht wie ein Rohrspatz…
Aber auch das konnte mich alles nicht umbringen. Ich habe den Berg bezwungen.
Von dort aus noch eine kleine 5km lange Abfahrt und ich war da! Ohne Bahn, im Regen, 5 Stunden am Ende insgesamt. Und ich war stolz auf mich.
Direkt vor der Haustür habe ich dann auch den ersten Sonnenstrahl des Tages abbekommen. Danke Herr… grml
Besagter Sonnenstrahl hat sich dann noch so entwickelt, dass wir mittags sogar noch eine kleine Spritztour mit dem Cabrio machen konnten. Warum nicht gleich so? Egal, ich habs geschafft.
:-)
Samstag – Tag der Rückfahrt.
Es geht ja nur runter. Naja, die Aussage stimmt ja schon irgendwie, zumindest wenn man von Rippi endlich mal auf den Kniebis gefahren ist…
Von dort aus ging es dann ziemlich schnell vorwärts und wir konntan Baiersbronn, Forbach und die ganzen anderen Dörfer schnell passieren. Geplanter Stop: Au im Murgtal.
Daraus wurde leider nichts, weil das Restaurant geschlossen hatte. Also eben ohne Stop in Richtung Heimat.
Irgendwann kurz vor unserem Ziel war der Hunger dann doch stärker. Also ab dort hin, wo jeder Leistungssportler Rast machen würde. Bei McDonald’s! Kurzer Stop, Kräfte getankt und fit für die letzten 10-15km. Am Himmel sammelten sich so langsam dunklere Wolken an, also auch allerhöchste Eisenbahn.
3km sind wir vielleicht gekommen, dann hat es auch schon angefangen. Es hat geschüttet, plötzlich Sturmböen und KRACH! Erster Crash auf unserer Tour!
Schlechte Mischung: Landstraße, Blitze, Regen, Blut, ein Fahrrad mit verklemmter Kette und 2 patschnasse Gestalten, die noch ein paar Kilometer nach Hause hätten. Nachdem wir die Kette wieder irgendwie aufgelegt bekamen und der erste Schock überwunden war, ging es weiter. Respekt von dieser Stelle!
Angekommen sind wir dann auch irgendwann, das Gewitter hat zum Glück nen kleinen Bogen um uns gemacht, aber klatschnass geworden sind wir trotzdem. Arm und Knie blutig, wieder mal kein Öl mehr auf der Kette, alles verspritzt, Radtrikot beschädigt, Sattel aufgeschlitzt, Tacho leicht geshreddert,...
Das Ende unserer Tour de Murg – Das Ende einer Wasserschlacht. Und wie das so sein musste: Nach 10 Minuten kam die Sonne raus…
;-)

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